ANMERKUNGEN


1
Dies wird andernorts, mit Bezug zur euro-mediterranen und judŠo-christlichen Geschichte behandelt. Siehe EGENTER: >Software for a soft prehistory< (1986) und >Der ewig brennende Dornbusch<, beide auch in: EGENTER 1992ff. (in den BŠnden 2 und 3)

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Siehe frŸhe Karten wie die babylonische Weltkarte, die Karte des Hekataios (~500./), die Karte des Eratosthenes (~285-205), die ptolemaische Weltkarte (~150/.). Sie zeigen alle sehr begrenzte Weltbilder. Aehnliches gilt fŸr die mittelalterlichen Weltkarten (Idrisis Weltkarte ~1154, Erbstorfer Weltkarte ~1284, Katalanische Weltkarte 1375, Weltkarte des Fra Mauro 1457-59 (alle aus ENGEL 1970)

3
KERSCHENSTEINER (1962) hat in einer interessanten etymologischen Arbeit den Begriff >Kosmos< bei den alten Griechen untersucht. Das griechische Wort bezeichnete damals eine ausgewogene Ordnung im menschlichen Bereich, etwa eine wohlgeordnete militŠrische Aufstellung. Dieser Sinn Ÿberlebt weltweit im verwandten heutigen Begriff 'Kosmetik' auf dem gepflegten Gesicht. Zum andern hat sich aber der Inhalt im Wort 'Kosmos' gewaltig ausgedehnt, ist der Entdeckungsgeschichte des Raums ins Universum gefolgt.

4
Im europŠischen Mittelalter zwang die militŠrische Reichsbildung der Franken und Ottonen das Papsttum, die KontinuitŠt des ršmischen Zentralismus Ÿber eine "geistliche" Verfassung zu legitimieren. Der Neoplatonismus war die tragende Grundlage (Universalienstreit, Investiturstreit). Dies spielte eine eminente Rolle in der europŠischen Religions-Theorienbildung und wirkte sich spŠter nachhaltig in der Trennung der "Geisteswissenschaften" von den Naturwissenschaften aus. Das euro-scholastische Erbe prŠjudizierte vor allem die Ethnologie Ÿber Jahrhunderte schwerstens, wirkte sich auch in HochkulturfŠchern, etwa der Sinologie und Japanologie aus.

5
Einige Namen: Vito BERTIN, Guy DEKEULENEER, Gaudenz DOMENIG, Siegfried ENDERS, GŸnter NITSCHKE, Pierre und Suzanne RAMBACH, Irmtraud SCHAARSCHMIDT-RICHTER und der Autor.

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SchŠtzungsweise 2000 Forscher verschiedenster Disziplinen (Architektur, Ethnologie, Geschichte, ArchŠologie, Psychologie, Philosophie, Kunstwissenschaft usw.) sind heute weltweit mit Arbeiten zur Architektur- und Raumforschung beschŠftigt. Die wichtigste Institution ist die >International Association for the Study of Traditional Environments< (IASTE) der UniversitŠt Kalifornien, Berkeley. Verschiedene Publikationen erscheinen dort laufend. Siehe Bibliographie (CENTER FOR ENVIRONMENTAL DESIGN RESEARCH 1989ff..) Zur Darstellung dieses Forschungsgebiets siehe EGENTER 1987b

7
Siehe etwa: DOMENIG 1980, 1988, EGENTER 1980, 1992ff., NITSCHKE 1991, 1993

8
Eine ausfŸhrlichere Rezension BOLLNOWs findet sich in EGENTER 1992a (englisch) und dreisprachig (engl., deutsch, franzšs.) in EGENTER 1994c

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Man beachte, dass 'Mitte' im Deutschen nicht notwendig ZentralitŠt impliziert, sondern auch im Sinne von Schwelle zwischen zwei DomŠnen oder als Punkt zwischen zwei linearen Abschnitten gelten kann.

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ELIADEs deduktiv metaphysisch (Hierophanie) begrŸndete Arbeiten sind ausserodentlich wichtig. Dadurch, dass sie in ganz verschiedenen Religionen Šhnliche 'Strukturen' des sakralen Raums (Mitte der Welt, Axis Mundi, ewige Wiederkehr der UrsprŸnge usw.) beschrieben, haben sie die vielen bekannten Religionen vergleichbarer gemacht. Diese erhšhte Vergleichbarkeit dŸrfte auch andersrum gelten, wenn man diese Strukturen mit BOLLNOWs Raum induktiv untersucht.

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Ausserordentlich wichtig fŸr die Rekonstruktion "ethno-(prŠ-) historischer Kontinuen" ist die >Wiener Strukturgeschichte< WERNHART 1981. Sie tranchiert die GeschichtsstrŠnge nicht aufgrund datierter Quellen in Perioden, rekonstruiert vielmehr essentielle Strukturen interdisziplinŠr und von vitalen Sachverhalten der ethnographischen Arbeit ausgehend, als Kontinuen, resp. Entwicklungen.

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In den europŠischen Humanforschung steht die Volkskunde nicht sehr hoch im Kurs, zweifellos unter dem Einfluss der - im Vergleich zu Japan evidenten - extremen Fragmentarisierung und PrŠjudizierung ihres Materials durch die intensive Christianisierung. Diese Wertstimmung wirkt sich auch in der Japanologie aus. Erst seit man Japan kulturanthropologisch vergleichend zu behandeln beginnt, wird man sich der strukturgeschichtlich eminenten Bedeutung seiner volkskundlichen Materialien vor allem ethnohistorisch gewahr. Dass das Japanbild, je nach den angewandten Methoden, recht verschieden ausfŠllt, wurde unter dem Titel >Japan, das grosse Dorf - Chinaschule, National-Geschichte und die moderne japanische Kultur-Anthropologie. Notizen zur Geschichte des japanischen Geschichtsbewusstseins< in einem dreistŸndigen Radiozyklus (EGENTER 1983a) dargestellt.

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In den Randvšlkern Chinas sind durchaus vergleichbare Kulte heute noch zugŠnglich, sie sind jedoch volkskundlich kaum erfasst (AASEN 1991). Das Gleiche gilt fŸr Indien. Die Kulturforschung ist dort noch so sehr auf die geschriebene Geschichte fixiert, dass lŠndliche Traditionen - als Quellen - gar nicht wahrgenommen werden. Beschreibungen von Agrarkulten sucht man vergebens. Die wenigen Arbeiten, etwa Ÿber Feuerfeste in Indien, interpretieren das Geschehen lediglich von den Gštternamen her und zitieren historische Ideenkomplexe. Hinweise auf die Wirklichkeit lassen sich oft nur anhand von Photographien erschliessen. Ein positiver Hinweis dagegen bezŸglich Nepal bietet Robert LEVYs Beschreibung von Bhaktapur, insbesondere des dortigen Neujahrsfestes (1990 :463-500)

14
Dies ist nur eine sehr beschrŠnkte Auswahl. FŸr Ethnologen ist Japan ein Schlaraffenland: die Feldforschung Ÿber ein ganzes Land liegt bereits minutišs vor, kann verwendet, ŸberprŸft, weiter entwickelt werden. Ueberdies lŠsst sich ethnohistorisch arbeiten.

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EDERs umfangreiche Arbeiten zum Beispiel sind mit ihren endlosen AufzŠhlungen von theologischen Begriffen in Verbindung mit dem banal Konkreten - immer im Rahmen des allumfassenden "Glaubens" - durch die entsprechend resultierende (und wohl auch intendierte) liebevoll herablassende Ueberheblichkeit der Schilderungen fŸr eine serišse Forschung heute nicht mehr akzeptabel. Zum Beispiel: "Kesselherdgott" (okamasama), "Zimmergott" (oheyasama), "Gestellgott, Wandbrettgott" (otanasama) etc. (1987: 172). Der systematisch harmonisierende Charakter dieser sakralen Orte in der Haus-Raumordnung ist EDER offensichtlich všllig entgangen. Andernorts wurde unter dem Titel 'Ie' das japanische Bauernhaus im Hinblick auf die kultischen Ordnungen untersucht, die die Hausform wesentlich bestimmen (EGENTER 1991b). Aehnliches gilt auch fŸr die Haus- und Umwelt-Raumordnung der Ainu (EGENTER 1991a, 1994b).

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KREINER (1969) deutet diese Schichtung in Anlehnung an japani-sche Volkskundler mit dem Ausdruck "grosse und kleine Tradition" an, unterstŸtzt sie auch durch seine ethno-historische Methode, vermag aber die Schichten nicht klar zu trennen, wesentlich weil er den ihm vertrauten ethnologisch-anthropologischen Raum und die siedlungsgenetischen Strukturen mit der metaphysischen Rauminterpretation der zentralisierten Schreinschicht vermengt. Das semantische Element (o-hake) skizziert er zwar, be-handelt es aber herkšmmlich shintotheologisch und lŠsst es so theoretisch unbeachtet am Rande liegen (:110, 122-126, 137).

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Hochentwickelte Baustile und chinesisch beeinflusste Sachkul-tur, Papier, Seidenstoffe, Schriften, hšfisches Zeremoniell, rŠumlich entwickelte Theologie.

18
Lokal autonome Sachkultur, lokale Bauweisen, schriftlose Tradi-tion, d.h. Kult als InformationstrŠger, ekstatische Kulte, enge ZusammenhŠnge zwischen Kulten und lokal tradierten Sozial- und Territorialstrukturen.

19
Vgl. hiezu YANAGITAs (1975) Diskussion der Begriffe 'matsuri' [Fest] und 'sairei' [Feier, Zeremonie].

20
Auch dies gehšrt zu den erwŠhnten 'idealen Forschungsbedingungen' in der japanischen Kultur. In Absenz absolut idealistischer Denkentwicklungen (Neoplatonismus) ist es in Japan weder vom zentralen Shinto noch vom Buddhismus in den Dšrfern zur absoluten Negation des autochthon Tradierten gekommen, wie dies fŸr die christliche EinflussphŠre weltweit charakteristisch ist. Im japanischen Dorf sind die autochthonen Strukturen durchaus noch institutionalisiert, sind nicht, wie andernorts, zum bloss noch 'bŠuerlichen Brauchtum' verkommen.

21
Der Begriff lehnt sich an den Ausdruck >Sakrale Geographie< an. VIDYARTHI (1976) hat den Terminus fŸr die indische Ethnologie, resp. Volkskunde verwendet und vermutlich auch geprŠgt.

22
Diese finden sich genauer beschrieben bei HAGIWARA (1965).

23
In einem benachbarten Dorf wurde vom gleichen Festtyp ein Dokumentarfilm erstellt (EGENTER 1977).


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