- 2. Teil -



Fig. 10 Tokonoma im Teeraum "taishido", Anfang 19. Jhdt., Keieiji, Nagoya. Man beachte, dass der Boden leicht erhöht ist. Die Rahmung ist hier nicht gehobelt, natürliches Rundholz wird verwendet, der vordere Pfahl ist in der Regel überdies krumm: Kontrast in der puritanischen Geometrie! (n. Yoshida 1935)



Fig. 11 Die Feudalzeit hat die kultisch geprägte Raum-Hierarchie des japanischen Hauses in ihren Residenzen rigide gestrafft und politisch umgemünzt. Die Abbildung zeigt einen höheren Bauern-samurai im besten Zimmer auf dem Ehrensitz vor der Kultnische (tokonoma). Neben ihm ranggleiche Besucher. Das rechts anschliessende Zimmer liegt eine Stufe tiefer, ist für Besucher mittleren Ranges. Der nächstuntere Platz ist auf der Veranda. Besucher dieser drei Ränge dürfen durch das Haupttor das Haus betreten. Hörige müssen durch das Gartentor kommen und dem Herrn auf dem Boden vor der Veranda knieend ihre Aufwartung machen. Die Respektsperson unter ihnen darf dabei auf einer Matte knien (n. Eder 1963).



Fig. 12 Schematische Darstellung eines vereinfachten Grundtyps des japanischen Bauernhauses mit Kultstellen und Kultmarkierungen (Zeichnung des Autors).

Oben: Schilfdach;
Mitte: vereinfachter Grundplan;
Unten: sakralrechtliche Sicherung des Grundstücks vor Baubeginn (Kultanlage am sog. Erdberuhigungsfest" (jijinsai)

X     Horizontale und vertikale Schwellen zwischen Sakral- und Profanbereichen
a     Sakralraum des Daches
b     Kultschmuck der Kultsäule
c     Götterbrett mit Kultseil
d     Schreine mit Kultschmuck
e     buddhistischer Ahnenaltar
f     offene Feuerstelle mit Sitzordnung
g     Kultsäule mit Kultschmuck und Opferbrett
h     erhöhter Sakralteil des Grundplanes
i     Arbeitsraum und Küche
k     Herd
l     Kultstellen des Herdgottes
m     Hauseingang mit Kultseil
n     Neujahrs-Torschmuck mit Kultseil
o     Kultmarke der "Grundbesitz-Gottheit" 
p     kultische Abschrankung mit vier Bambushalmen und Kultseil
q     Shinto Altar mit Kultgegenständen und Opfergaben



Fig. 13 An der Wasserstelle im Haus wird dem Wassergott (mizugami) über einem Reismörser (uzu) ein Neujahrsaltar errichtet auf dem man ihm Reiskuchen opfert (n. Ogawa 1954).



Fig. 14 Bauernhaus vom Typus mit grosser hochliegender Stube (oie, oe, chanoma) um den eingelassenen offenen Herd (irori, ro). Rechts der ebenerdige Werkraum (doma) mit Küche und Kochherd (kama) und ganz rechts Pferdestall. Zwischen Erdraum und erhöhter Stube der Daikoku-Kultpfahl. In der hinteren Stubenecke der buddhistische Altar (butsudan). Auf dem Götterbrett (kamidana) die durch kleine Schreine (yashiro) markierten Shintokultstellen mit entsprechender Bezeichnung (n. Eder 1963).



Fig. 15 In der Nähe der Stadt Okayama (Okayama Präf.) werden in den zwei Dorfhälften je ein Kind zum "Hauptmensch" (tojin) des jährlichen Fests der Dorfgottheit (ujigami) bestimmt. Jedes dieser als heilig erachteten Kinder wird im entsprechenden Festhaus (toya) von seinen Eltern im besten Zimmer bedient und verwöhnt. Am Schluss der 3 Wochen dauernden Riten und Zeremonien wird im Garten temporär eine kultische "Urhütte" (ohake) errichtet, vor der - unter dem Vorsitz des Kindes - Opferkulte stattfinden. Am Schluss wird die Kulthütte im Vorgarten abgebrochen und hinterm Haus wiedererstellt, wo man sie dem Verfall überlässt.



Fig. 16 Am geta-matsuri genannten, grossen Neujahrsfest auf der Insel Kamishima wird ein mit weissem Papier umwickelter grosser Knebelring als Göttersitz (yorishiro) fabriziert. Er stellt am Neujahrsmorgen die aufgehende Sonne dar. Für das nächtliche Festbankett, zu dem sich das ganze Dorf im gleichen Haus (toya) versammelt, wird das heilige Objekt vor das tokonoma gestellt. Der Aelteste des betreffenden Hauses übernimmt davor den Vorsitz über die Festgemeinde: das Haus wird temporär zum Palast.



Fig. 17 Stadtfest des Omihachimanschreins von Mino (Gifu Präfektur). Ueber 40 bewegliche Schreine werden als "Blumen-Göttersänfte" (hana-mikoshi) dekoriert und in wilden Prozessionen von den Burschen und Männern des betreffenden Quartiers zum Stadtschrein getragen. Mit der aus dem Dach des tragbaren Holzschreins herausquellenden, flexiblen Bambusleisten-Konstruktion kommt Aelteres, Vorbuddhistisches temporär zum Vorschein. Der mit rotem Papier geschmückte weit ausgreifende Blumen- Schirm eint die Träger (n. Gurafusha 1970)



Fig. 18 Hier nimmt die Markierung beträchtliche Dimensionen an. Die beiden schlanken Schilfsäulen gelten dem Tor, die grosse dem Haus. Am Ende des Festes werden die Marken rituell verbrannt (Wakayama Präfektur).



Fig. 19 Im Frühling vor der Aussaat wird der Feldgott aus dem Bergwald ins Haus geholt und in der Kultnische verehrungsvoll bewirtet, dann ins Feld getragen, wo er die warme Jahreszeit über den Reisanbau bewacht. Im Herbst geschieht das Gleiche umgekehrt (Kagoshima Präfektur; n. Gurafusha 1970).


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