FRÜHE RELIGION ALS VERFASSUNG



DER EWIG BRENNENDE DORNBUSCH

DIE STRUKTUR DER THEOKRATIE IM ALTEN ORIENT UND DAS SCHOLASTISCHE TRAUMA EUROPAS

Ansätze zu einer ägypto-judaeo-christlichen Religions-Anthropologie

Ein akuter Weg zur Selbstverantwortung des Menschen



Wer heute von Religion spricht, ist sich meist nicht bewusst, wie sehr Begriff und Inhalt vom Räumlichen her präjudiziert sind. Der vorliegende Essay stützt sich auf O. F. Bollnow's phänomenologische 'Raumanthropologie' (1963). Diese geht von eng umweltlichen Bedingungen des Siedelns aus. Im Zuge der Kulturgeschichte weitet sich die menschliche Organisation des Siedelns aus, gewinnt Kontrolle über zunehmend ausgedehnte Domänen und Imperien, erschliesst sich schliesslich theoretisch - in Europa ab dem 14. Jhdt. - die unendlichen Dimensionen des Universums. Aus dieser Sicht erwächst unter anderem die historisch methodologische Frage: projizieren wir späte Raumperzeptionen auf die Frühgeschichte? Offensichtlich eine wichtige Frage, die mit unserer Selbstdeutung, mit unserem Weltbild grundlegend zusammenhängt. Die positiv kritische Antwort des vorliegenden Texts stellt am Beispiel ägypto- judaeo- römisch- christlicher Entwicklungslinien verfassungsrechtliche und territorialpolitische Züge der Religion in den Vordergrund. In der Struktur früher Theokratien wird ein durchaus begreifbares System räumlicher Kontrolle deutlich, das auch heute noch auf zahlreichen Ebenen wirkt. Vielleicht vermag das kleine Buch den Leser von der Notwendigkeit einer neuen Wendung zu überzeugen. Die euro-scholastisch historistisch begründeten Anleitungen der Weltbeherrschung sind am Ende. Die globale Hinwendung zum Menschen, zum kulturell Vergleichenden bildet das Tor zum 21. Jahrhundert. Jenseits der herkömmlichen Projektionen gilt es, in einer umfassenden Anthropologie den Menschen zu erkennen und entsprechend seine Verantwortung in der realen Welt wahrzunehmen.


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