BILDER UND LEGENDEN (Bilder in Bearbeitung)



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Die deutsche Bauforschung der 30er Jahre, insbesondere Walter Andrae, hatte bereits eine fibrokonstruktive Vorgeschichte im Auge, zumindest für die ionische Säule und ihre vorderorientalischen Vorläufer. Er erkannte die pflanzlich-fibröse 'Bündelstruktur' der ionischen und zahlreicher anderer, etwa altägyptischer Säulentypen, ebenso der altorientalischen (assyrischen) Lebensbäume. Hat die Vorgeschichte mit diesem vergänglichen Material wichtige Formen der Kunst, der Architektur, der Technik entwickelt? Als materiell nicht-dauerhafte Prototypen wären sie der archäologischen Methode entgangen?


Taf. 2
Haus und Umwelt der Ainu-Wildbeuter im Norden Japans. Oben links die Gliederung des Tals in obere und seitliche Bergzonen nach Watanabe. Unten links, Hausgrundriss nach Munro. Rechts unten Siedlung im polaren Ordnungssystem der Ainu (nach Ohnuki-Tierney). Oben rechts: Hausgründungsritus als Implantation des Ainu Hauses in der Wildnis: die Grundordnung wird rituell ausgesteckt und kultisch initial durchgeführt.


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Nicht nur das Innere des Hauses, auch die aktiv genutze engere Umgebug ausserhalb ist nach polarkategorialen Prinzipien genau geregelt.


Taf. 4
Synthese der räumlichen Ordnungen des Hauses und der Umwelt: ein System von harmonischen Beziehungen, die wie Magnetnadeln ineinandergreifen. Dachform, Dachgerüst, Feuer und Pfostenmarkierungen mit heiligen Locken ebenso wie die Götterzeichen bilden die konkreten Modelle der auch in die weitere Landschaft projizierten polaren Ordnungen. Schlüssel des Ganzen sind die Zeichen. Sie sind eine Art YinYang Symbol.


Taf. 5
Verschiedene Hausformen der Ainu (nach Takabeya). Links Birkenhäuser auf Sachalin. Rechts Grubenhäuser nach alter Tradition (heute aufgegeben). Unten Schilfhaus der Ainu auf Hokkaido, äusserlich beeinflusst vom nordjapanischen Bauernhaus.


Taf. 6
Ainu Götterzeichen (inau). Die Locken werden mit scharfen Klingen aus dem geschälten Holzstab geschabt. Sie bilden einen locker hängenden Schopf spiraliger Locken, die sich beim leisesten Wind mysteriös bewegen. Nicht nur das Bewegungsmoment, auch die weisse Farbe kontrastiert mit dem stabil fixierten Unterteil, dessen Rinde meist natürlich dunkel belassen wird.


Taf. 7
Oben: Polare Zeitordnung der Ainu. Mitte: Götteraltar oberhalb des Ritualplatzes als Schaltstelle zur Bergzone. Die Gottheiten sind im Text erwähnt. Unten: Darstellung der polarkategorial-harmonischen Weltsicht der Ainu. Das Haus und davon ausstrahlend das Tal, beide sind durch und durch polar strukturiert. Der Schlüssel zu dieser Weltsicht ist in den ontologisch hochwertigen Götterzeichen der Ainu zu sehen. Die entwickeltere, höher abstrahierte Metaphysik hat sich der primären, ästhetischen überlagert.


Taf. 8
Der Ainu-Bärenkult und seine Interpretation. Oben: konventionelle Interpretation im Rahmen eurozentrischer Religionsvorstellungen. Unten: Darstellung als 'Geschenktausch'. Der Mensch nimmt die Gabe der natürlichen Domäne entgegen und offeriert dafür das Höchste was ihm zur Verfügung steht, die in langer Tradition entwickelten ästhetisch-ontologischen Schlüssel seiner eigens harmonisierten Welt.

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