ILLUSTRATIONEN UND LEGENDEN


Abb. 1: Plan der drei Siedlungen Mabuchi (A), Sens™ku (B) und Iwakura (C). Der Weiler (D) ist nicht beteiligt). (S) bezeichnet die Dorfschreine (Hachimangu, Tsubakijinja, Inarijinja), (Z) den Zentralschrein (gosha).


Abb. 2: Schematische Ordnung der Dšrfer am jŠhrlichen Fest ihrer ujigami-Schreine. (A), (B), (C) sind die drei Dšrfer mit ihren Dorfschreinen (D). (G) bezeichnet das GrŸnderhaus, (T) sein Heiligtum (o-hake) im Garten. (E) bezeichnet den Treffplatz (aisatsu) vor dem Zentralschrein. Die kleinen Buchstaben geben die temporŠre KultausrŸstung an, (a) ortsfeste Kultmale vom hŸttenŠhnlichen Typ, von den Alten (zenin) gebaut, (b) die mehrortigen HochsŠulen, von den JungmŠnnern (wakamono) gefertigt und (c) die explizit mobilen 'Sonnenspeere' (hiboko). Die grossen Zahlen geben die Folge des Festablaufs: (1) Vorabend aller Dšrfer: die Kultfackeln vor dem Zentralschrein werden angezŸndet. (2) Errichtung des Altars (o-hake) im Garten des GrŸnderhauses (3) Morgenprozession (u no toki watari) zum Zentralschrein (gosha matsuri), (4)-(6) die drei Dorffeste (uchi matsuri) wobei ortsfeste hŸttenartige und [in D2 und D3] mehrortige HochsŠulen gebaut und verbrannt werden (hi-matsuri). Zum Schluss wird der Altar im GrŸnderhaus wieder desakralisiert (7).


Abb. 3: Dorfschrein (Tsubakijinja) von Sens™ku mit dem ujigami-Hauptschrein (honden) und zwei Nebenschreinen (bessha). Auf dem inneren Vorplatz steht die offene Tanzhalle (haiden), davor zwei temporŠre HochsŠulen (g, f). Auf dem Šusseren Vorplatz der ortsfeste, hŸttenŠhnliche Typ (k; suetaimatsu) mit herausgezogenem Jahres-Knoten (l), gegenŸber das Shint™-Tor (torii). Dieses Kultmal wird nach der Rahmenzeremonie gebaut: der 'Sonnenspeer' (hiboko) geht vollstŠndig in ihm auf.


Abb. 4: Ortsfestes Kultmal (suetaimatsu, 'Endfackel') von Mabuchi in der Ansicht (A), im Vertikal- (B) und Horizontalschnitt (C). (D) gibt schematisch den Schreinplan mit (a) Dorfschrein (honden), (b) offener Kulthalle (haiden) und (c) temporŠrem, ortsfest aufgebautem 'Gšttersitz' und (d) Shint™-Tor (torii). Man beachte die technische Durchbildung im Unterteil, wogegen im oberen Teil das Kultmal die natŸrlich belassenen Halme (Schilf, Bambus) natŸrlich und beweglich bleiben.


Abb. 5: Mehrortiges Kultmal (kasataimatsu; Ueda) in Ansicht, Schnitt und drei Horizontalschnitten (2-5). Diese gegenŸber den ortsfesten Typen sekundŠren 'HochsŠulen' haben keine feste Verbindung zum Boden, sind bloss verstrebt und verspannt und kšnnen entsprechend in oft wilden Prozessionen (z.T. brennend) mitgefŸhrt werden. Sie zeigen so oft siedlungsgeschichtliche Verbindungen zwischen verschiedenen Siedlungen oder Siedlungsteilen an. Man beachte, dass das kostbare Schilfsymbol hier - im Vergleich zum ortsfest-bodenstŠndigen Kultmal - hochstŠndig ist. Das Kapitell gilt oft als Sonnenrad (nichirin) oder 'Schirm' (kasa):


Abb. 6: Sonnenspeer (hiboko). Der nur in diesem Siedlungkomplex gefundene, explizit bewegliche Typ des 'Sonnenspeers', ein etwa 6 Meter hoher, dicker grŸner Bambusstab, Schwert (tsurugi) genannt, zuoberst mit einem ZedernzweigbŸschel (hinoki no ha oder 'bonten') und weissem Shint™kultzeichen (gohei) und SchnŸrung versehen. Im Mittelteil trŠgt er einen Bambussplissenkreis mit rechtwinkligem Bambussplissengitter. In den Maschen des Gitters hŠngen an quergezogenem Seil befestigte, mit der FlŠche leicht bewegliche Papierstreifen, tama, Juwelen, genannt. Der Kreis gilt als Sonne (hi) oder Spiegel (kagami) in offensichtlicher Anlehnung an das Kultsymbol der Sonnengšttin (Ise-Kult). Nach der entsprechenden Zeremonie vor dem Zentralschrein wird in Sens™ku dieser Spiegel demontiert. Er lšst sich auf, wird verschluckt, verschwindet materiell in einem ganz anderen, offensichtlich ursprŸnglicheren Kultmal, dem ortsfesten Gšttersitz von Sens™ku (suetaimatsu). Das Beispiel dŸrfte uns (mit zahlreichen anderen, wo Kultmale als Drachen und Schlangen gelten) gegenŸber mythischen Schilderungen hellhšrig werden lassen. Sind Mythen an solchen und Šhnlichen rituellen Verhaltensweisen orientiert? Sind sie konkret-semantische Codes fŸr sozio-territoriale VerhŠltnisse?


Abb. 7: TemporŠre Kultmale (yorishiro) des japanischen Volkskults. Die Zeichnungen sind zumeist nach bildlichen Darstellungen in der japanischen Literatur, soweit mšglich masstŠblich angefertigt. Der Rest (Nr. 130) stammt aus Feldaufnahmen des Autors. Die Vielfalt der Formen verweist nicht etwa auf individuelle Gestaltung, sondern auf eine lange Zeit šrtlichen Differenzierens, denn die Formen werden perennierend stereotyp rekonstruiert. Es liegt entsprechend nahe, von diesem Sachverhalt auf vorgeschichtliche Tiefe und allgemeine Verbreitung im japanischen Agrardorf zu schliessen.


Abb. 8: Zusammenstellung der wichtigsten Formtypen der untersuchten Gegend. Die Ordnung der Tabelle ergibt sich aus bestimmten PrioritŠten (z.B. Ortsfestigkeit gegenŸber Mehrortigkeit; fŸr die entsprechenden Kriterien, siehe EGENTER 1982 :44). Die oberste Reihe zeigt Variationen zwischen sŠulen- und hŸttenartigen ortsfesten Typen.


Abb. 9: Bau des hŸttenŠhnlichen ortsfesten Kultmal-Typs (suetaimatsu). Der Bauprozess verrŠt sehr urtŸmliche Bauweisen (PfŠhlen, FŸgen von GerŸsten durch Binden, BŸndeln von Halmen, Nageln mit Bambussplissen usw.). Zum Schluss wird das Kultmal nach zentralistischer Art sakralisiert (gohei, shimenawa-Geviert).


Abb. 10: Der Bau des HochsŠulentyps. Sie erfolgt vorerst am Boden (Raps), nach der SchnŸrung wird die SŠule vor allem zur Fertigung des Schilfteils, resp. des Kapitells, oder Sonnenrades (nichirin) aufgebockt, am Schluss an Seilen aufgerichtet, verspannt und mit BambusstŠben verstrebt. Auch dieser Typ erhŠlt zuletzt das im zentralisierten Shint™ Ÿbliche Papier-Zeichen der Heiligkeit (gohei).


Abb. 11: Kategorial polares Ordnungsprinzip, hier an einem zylindrischen SŠulentyp dargestellt. Der untere Teil (L) ist kompakt, der obere (U) leer, transparent, die Halme sind natŸrlich belassen, im Winde beweglich, wogegen der untere Teil markant technisch geprŠgt, mit 12 SekundŠrseilen (Monatssymbolik) fest zylindrisch geschnŸrt wird. Das Hauptseil (shimenawa) mit symbolisch Ÿberhšhtem Knoten liegt am Uebergang (M) der zwei Formanteile. Zugleich definiert das Kultmal eine vertikale Zentrumsaxe (CA), bestimmt den Weg (W) darauf zu, teilt den Raum in Vorne (F), wo der Knoten liegt, und Hinten (B), die dem Knoten abgewandte Seite.


Abb. 12: Schematische Darstellung der polaren Kategorien. Sie sind hier separat gezeichnet: NatŸrlichkeit und Technik, diffus und geometrisch definiert, hell und dunkel, Vielzahl und Einzahl, Bewegung und StabilitŠt.


Abb. 13: Schematische Darstellung des Formausdrucks. Die Formen sind 'irrational' sie lassen sich nicht eindeutig definieren. Mit ihren polaren Eigenschaften sind sie zugleich natŸrlich und kŸnstlich, stabil und beweglich, geometrisch und diffus, oder, mit Nietzsche, apollinisch und dionysisch. Ihr Ausdruck steht dem chinesischen Yin-Yang Denken nahe. Nimmt man das (heilige) Hauptseil (shimenawa) als Formelement mit hinzu, so ergibt sich eine Drei-Einigkeit, wobei zugleich ein interessanter kausaler Faktor mitspielt: das Seil verrŠt an diesen Formen noch seinen konstruktiven Charakter, es ist Bedingung der Form, das heisst der Einheit wie der Zweiheit. Zugleich enthŸllt uns hier die Konkretheit des Irrationalen deutlich die Potenz eines kognitiven Modells, besonders wenn man bedenkt, dass ganz verschiedene metaphysische Systeme grundlegend auf solche irrationale Zahlen-VerhŠltnisse abstellen (Yin-Yang, Zwei-Einheit, Drei-Einheit).


Abb. 14: Vielfalt und Einheit. Auf Anhieb ganz verschiedene Formen kšnnen aufgrund des Prinzips der Koinzidenz der GegensŠtze analog aufgefasst werden. Ein differenzierendes Prinzip ermšglicht wappenŠhnlich soziale und territoriale Differenzierung. Als Harmoniemodelle haben alle Formen Teil am generalisierenden oder idealisierenden Prinzip.


Abb. 15: Kognitiver Dialog der Gšttersitze mit der natŸrlichen Form (Baum). Zahlreiche Kultmale zeigen einen kognitiven Dialog mit natŸrlichen oder technischen Formen. Brennende HochsŠulen werden, wenn in der Horizontalen rituell herumgetragen, zu feuerspeienden Drachen (ryž) oder Laternenschiffen (chochinfune). Kultseile (shimenawa) werden unter bestimmten rituellen UmstŠnden zu Schlangen (daija), Krebsen (ebi) oder Fischen (namazu). Am erstaunlichsten sind die tŠuschend natŸrlichen, kŸnstlichen BŠume in einigen Dšrfern der untersuchten Tradition. Sie kšnnten uns davon erzŠhlen, wie der Mensch den Baum entdeckte (s. EGENTER 1981b)


Abb. 16: Zusammenstellung der wichtigsten SymbolbezŸge. Mit den untersuchten Gšttersitzen ist eine ungeheuer reiche Symbolik verbunden. In (1) gilt die zylindrische SchilfsŠule (a) als mŠnn-lich, mit herunterhŠngendem Schilf (b) wird sie weiblich. Nota bene: die Anspielung an human-physische Geschlechtsunterschiede ist minimal und nur kategorial (stehende/hŠngende Haartracht). In (2) nennt sich das Kultseil 'moto' Ursprung, (3) lehnt an mythi-sches an (Sonnenspeer). In (4) wird der Bambusbusch (a) 'Himmelsgewšlbe' (tenkai) genannt. Das Kapitellrad in (5) heisst 'Sonnenrad' (nichirin). (6) zeigt einen netzartigen 'Schnurkalender' (jedes radiale Seil zŠhlt einen Monat, das Hauptseil gilt als Jahr), (7) zeigt die erwŠhnte 'Struktursymbolik'. Auch das Innen und Aussen vieler Formen wird gegensŠtzlich aufgefasst (8): der innere heisst 'Herz-', der Šussere Hand-bambus (shindake, tedake; im Sinne von 'ExtremitŠt'). Das hochstŠndige Schilfgebinde in (9) gilt als Yin-Yang-Symbol (iny™). (10) zeigt die zweikšpfige Schlange (daija) Ÿbers Jahr im Schreineingang. Am Fest bewachen zwei einkšpfige Halbschlangen zwei paarige Kultmale und gehen mit ihnen in Flammen auf. In (11) wird die HochsŠule zum Feuer speienden Drachen (ryž) oder zum nŠchtlichen Laternenschiff (ch™chinfune). In (12) zeigen zwei Marken (mŠnnlich und weiblich) zugleich dickwulstige Drachenleiber und flinke Drachen-Kšpfe. (13) bildet einen kŸnstlichen Baum ab, wie er in einigen Dšrfern vorkommt, (14) zeigt Krebse, (15) Schlangen, (16) ein mit Schlangen (shimenawa) besetztes Kultmal, (17) ein Schiff (fune), (18) ein Fisch (namazu), (19) zeigt den Jahresknoten von Senz™ku, (20) und (21) mŠnnliche und weibliche Knoten. Das PrimŠre dieser symbolischen Differenzierung ist die konstruktiv bedingte 'Struktursymbolik' der Gebilde selbst, an die sich entwickeltere Konzepte sekundŠr anlagern kšnnen. Wir erhalten Einblick in die 'Mechanik' symbolischen Denkens.


Abb. 17: Kultmale als Zeichen - Territoriale ReprŠsentation. Die Kultmale sind eine Art Wappen. Jedes Dorf hat seine eigene Form. Aehnliche Grundformen, die nur in Details abgewandelt werden, lassen auf siedlungsgeschichtliche Verwandtschaft schliessen.


Abb. 18: Kultmale als Zeichen - Soziale ReprŠsentation. Sie grŸndet auf den synthetischen Charakter der Kultmale. Bau und rituelle Handhabung der verschiedenen Formen sind auf bestimmte Kultgruppen exklusiv beschrŠnkt.


Abb. 19: Ordnung der Zeichen des gigantische Kultfackelfestes (taimatsu-matsuri) der Stadt ™mihachiman (Himurei-Hachimangu). Das Fest geht auf die StadtgrŸndung im Mittelalter zurŸck (s. EGENTER 1989b). Damals wurden mehrere Dšrfer an die Peripherie umgesiedelt. Das Fest spiegelt diese Geschichte: die Ordnung der Dšrfer im VerhŠltnis zur Stadt bildet sich in den Zeichen, ihren Standorten und in ihrer rituellen Behandlung ab. Das Fest lŠsst sich 'lesen'.


Abb. 20: Siedlungsgenetischer Funktions-Komplex. Diachronisch verkšrpert das zyklisch erneuerte sozio-territoriale Zeichen im Kern des Schemas die KontinuitŠt der SiedlungsgrŸndung ins Heute. Zugleich beinhaltet es auch die KontinuitŠt der spezi-fischen sozialen und rŠumlichen Struktur der Siedlung ebenso natŸrlich die rituelle KontinuitŠt, der es seine Existenz im PrŠsens verdankt. Das Zeichen ist somit >pars pro toto< der ganzen Siedlung, samt ihrer traditionellen, sozialen, rŠumlichen und rituellen Ordnungen. Manches des herkšmmlich als 'irrational' eingestuften Verhaltensmuster solcher Riten wird verstŠndlich. Die Kategorien menschlichen Verhaltens gehorchen denen der Zeichen. Chaos, ekstatische Bewegungen, Trunkenheit usw. brechen aus, wenn das Zeichen seine teoposemantischen Eigenschaften verliert (Ek-stase), wenn es dynamisch gehandhabt oder zerstšrt wird. Mit dem neu erschaffenen Zeichen tritt die normale Ordnung wieder in Kraft.


Abb. 21: Siedlungsgenetische Interpretation der Kultmale. Sie wŠren als Kernpunkt eines sakralen Territorialrechts bei SiedlungsgrŸndungen gesetzt und dann, massgeblich auch aus territorialpolitischen GrŸnden - um das Rechtssymbol zu erhalten - jŠhrlich erneuert worden. Die Haus- (ie) und Blutslinien (d™zoku), die sozialen Hierarchien des japanischen Dorfes etablieren sich Ÿber die kultische Struktur: 'Sippengott' (ujigami) - fibrokonstruktive Marke (H), spŠter Schrein mit temporŠrer Marke (K)) - 'Sippenoberster' (uji no kami) (G), 'Sippenkinder' (ujiko) (Z) und spŠtere ZuzŸger (N) (Letztere sind von der Teilnahme an den Kulten ausgeschlossen).


Abb. 22: Schematische Darstellung der polaren Raumordnung. Die Siedlungsgeographie folgt dem Gestaltprinzip der Kultmarken.


Abb. 23: Weg-Ort-Schema modifiziert nach Dagobert FREY (1947). Frey zeigte, dass in einem breiten Afro-Eurasischen Hoch-KulturgŸrtel, der von Mittelmeer bis nach Japan reicht, die Gestaltung von Kultbauten einem Prinzip gehorcht, das gegensŠtzliche Kategorien von Bewegung und Ruhe als polare Einheiten zusammenfasst (Seine ausserordentlich wichtige Arbeit ist eine der wenigen kunst-anthropologischen Vorstšsse der europŠischen Kunstwissenschaft). Die Abbildung zeigt das primŠre Element mit der Hauptmarkierung (A), an die sich axial Ÿber Tormarken (B) Stufungen anlagern, die jedoch alle auf das Hauptmal bezogen sind. Man kann in diesem Weg-Ort-Schema letztlich das anthropologische Grundelement aller (vormodernen) Raumgestaltung und Architektur erkennen.


Abb. 24: TemporŠrer Schrein (shinden) auf dem Šusseren Festplatz (o-tabisho) des Kasuga-Schreins in Nara (wakamiya no on-matsuri, jŠhrlich im Dezember). Er ist aus rohen Materialien gebaut und bildet zu den hšfisch geprŠgten Darbietungen (Bugaku-TŠnze, N™-Theater) einen spannungsvollen Kontrast. (Beschreibung: HAGIWARA T. 1965: 123-128).


Abb. 25: Im Rahmen des 'Malven-Kultfestes' (Aoi-matsuri) des Kamo-Schreins in Ky™t™ errichteter, temporŠrer Gšttersitz (miaresho) im Norden der Stadt Kyoto. Die zugeordnete geheimnisvolle Zeremonie mitten in der Nacht nennt sich 'miaresai'. Die punktierte Linie im Plan (A) zeigt die Prozession der Priester zur Vorbereitungsstelle (2) und die Zirkumambulation (3) um den vorderen Teil der Anlage. (B) zeigt den Grundriss, (C) den Schnitt und (D) die Frontansicht mit Guirlanden-Detail (E) und Dekoration mit sakaki-Zweigen (dunkle Kreise). (Beschreibung: HAGIWARA T. 1965: 76-82).


Abb. 26: Erneuerte Kultmarkierung im Matsushita-Schrein in der Umgebung von Ise (Futamich™). HARADA (1961b: 25) hat auf sie im Zusammenhang mit der altjapanisch belegten 'himorogi'-Kultmarkierung hingewiesen. Sie werden jŠhrlich mit frischen Sakakizweigen ummantelt. Gegen Ende des jŠhrlichen Zyklus sehen sie mitunter sehr verwittert aus.


Abb. 27: Kultmarkierung aus sakaki-Zweigen unter dem HauptschreingebŠude (honden) der Matsushita-Schreinanlage. Die Aufnahme ist vom SpŠtherbst 1972, die Marke ist stark verwittert. Sie wird jŠhrlich um das Neujahr mit einem Mantel neuer sakaki-Zweige versehen.


Abb. 28: Schematische Darstellung der Hauptmarkierungen des Matsushita-Schreins als Zwei-Schichtenbild. Die wichtigsten (von insgesamt 11) sakaki-Markierungen stehen in einem sakral-rŠumlichen Zusammenhang, den wir Weg-Ort-Schema nannten. In der nach Photoaufnahmen an Ort gezeichneten schematischen Darstellung sind die beiden Schichten abgehoben, unten die fibrokonstruktive primŠre Schicht, oben die entwickeltere obere Schicht des Holz-baus. Offenbar hat sich die urtŸmliche (vorgeschichtliche) Kult-markierung unter der entwickelteren Form traditionell erhalten. Der Dokumentcharakter solcher Marken lŠsst sich durchaus ver-stehen: ihr 'AntiquitŠtencharakter' springt ins Auge. Sie sagen: der Schrein ist alt, nach dem AnsŠssigkeitsprinzip ehrwŸrdig. Die Zeichen haben so paradoxerweise den hohen Wert von Insignien.


Abb. 29: Schreinplan der inneren Anlage (Naigž) der kaiserlichen Schreine (K™tai jingž hongž) von Ise. Unter dem Hauptschrein (sh™den, im Plan Nr. 9) findet sich in einer kleinen Behausung der heilige Zentrumspfeiler (shin no mi-hashira). Nota bene: obschon in ganz Japan Gšttersitze dieser Art an den Kultfesten frei zugŠnglich sind, in der imperialen Linie sind sie zum allerschŠrfst gehŸteten Geheimnis geworden (s. folgendes Bild). Dies offensichtlich deshalb, weil sie ein mikrokosmisch-agrares Element dokumentieren (s. Tafeln 7a-g), das die makrokosmische Interpretation der geschriebenen Mythen in Frage stellt.


Abb. 30: Aufsicht auf den heiligen Zentrumspfeiler (shin no mi-hashira) unter dem Hauptschrein (sh™den) der inneren Schreinanlage (Naigž), Ise. Ein gepfŠhlter, oben V-fšrmig eingeschnittener, etwa ein Meter aus dem Boden ragender roher Zedernpfahl (Bildmitte) wird zyklisch mit immergrŸnen sakaki-Zweigen versehen. Die runden Platten sind Opfergeschirr aus rohgebranntem Ton. Aufnahme vom Herbst 1972, anlŠsslich der Erneuerungsriten (shikinen zengu).


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Zu den Anmerkungen
Zum Haupttext 1, 2, 3, 4
Zur Bibliographie
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